„Mit meinen Filmen halte ich ein Stück Tango fest“

Auf seiner Plattform 030tango veröffentlicht Jonas Zadow Videos von Showtänzen und führt Interviews. Damit will er möglichst viel von dem bewahren, was in der Tangoszene passiert. 

+++++ Das Interview stammt aus dem vergangenen Jahr. Weil gerade keine Veranstaltungen stattfinden, wird Jonas auch nicht für das Filmen von Showtänzen gebucht. Umso wichtiger ist es, dass alle, die seine Videos oder Streams schauen, ihn unterstützen. Hier geht das schon mit rund einem Euro pro Monat. +++++

Jonas Zadow im Filmstudio
Jonas Zadow steckt jede Menge Arbeit in die Produktion seiner Filme. Foto: Mikael Holber

Wie viele Leute schauen sich deine Filme an?

Momentan erreiche ich auf Facebook etwa vier Millionen Menschen im Monat. Auf YouTube sind es um die 200.000 Views im gleichen Zeitraum und die Homepage hat 20.000 pro Monat. Die Zahlen schwanken allerdings saisonal. Wenn ich in einem Monat bei vielen Festivals bin, gehen sie hoch, im Winter sinken sie etwas.

Du filmst nicht nur in Berlin?

Die meisten Videos stammen mittlerweile von Festivals aus ganz Europa. Viele Veranstalter beauftragen mich damit, die Shows aufzunehmen. In Berlin filme ich bei unseren Festivals und wenn mich Tanzschulen oder Tanzpaare für Aufnahmen buchen.

Was unterscheidet die Tangoszene in Berlin von der in anderen Großstädten?

In Berlin empfinde ich das Verhalten auf der Tanzfläche als vergleichsweise sozial. Anderswo geht es oft mehr darum, eine Performance abzuliefern. Dafür geben sich die Berliner auch schneller mit dem erreichten Niveau zufrieden, da sind Tänzer in anderen Städten ehrgeiziger. Und die Berliner sind geiziger …

Jonas Zadow:

  • Geboren in Berlin
  • Ausgebildeter Tontechniker
  • Tanzt Tango seit 2007
  • Filmt Tango seit 2013
  • www.030tango.com

Inwiefern?

Es ist schwer, hier mit Tango seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wenn eine Milonga den Eintritt um 50 Cent erhöht, weil vielleicht ein DJ von außerhalb auflegt oder ein Paar eine Show tanzt, drehen manche Leute wieder um. Oder sie beschweren sich, dass ein Festival zu viel kostet, sehen aber nicht, dass da ein Jahr Arbeit und ein hohes finanzielles Risiko drinstecken.

Wie viel Arbeit steckt in deinen Filmen?

In der Regel filme ich ja drei oder vier Tänze eines Paares hintereinander. Die Aufnahme ist dabei noch der kleinste Teil der Arbeit. Zu Hause mache ich Back-ups, noch in der gleichen Nacht. Dann arbeitet der Rechner 15 Stunden lang alleine. Bis die Clips online verfügbar sind, brauche ich noch mal vier bis fünf Stunden für Farbe und Ton, Schnitt sowie das Beschriften und Veröffentlichen auf www.030tango.com, YouTube und Facebook.

Viel Aufwand! Was treibt dich an?

Ich will mit meinen Filmen ein Stück Tango festhalten, also möglichst viel von dem, was in der Tangowelt passiert, für später bewahren. Als ich 2013 mit 030tango begann, hörte das International Tango Festival Berlin nach 13 Jahren gerade auf. Von den vielen Künstlerinnen und Künstlern, die im Laufe dieser langen Zeit hier aufgetreten sind, zeugen nur ein paar Fotos. Filme gibt es leider praktisch keine.

Kannst du von 030tango leben?

Nein, finanziell ist es immer noch ein Verlustgeschäft. Aber es wäre natürlich toll, wenn der Kanal weiter wüchse und ich mich ganz auf die Tangofilme konzentrieren könnte. Wer meine Arbeit unterstützen möchte, kann das unter www.patreon.com/030tango schon mit einem Dollar pro Monat tun.

Mehr Interviews mit Berliner Tangoschaffenden gibt es hier und im Tango-Guide Berlin.