„Für neue Formate sind die Berliner schnell zu begeistern“

Wenn es um modernen Tango geht, führt in Berlin kein Weg an Mona Isabelle Schröter vorbei. Hier erzählt die Tangoloft-Chefin, warum sie gern Gastgeberin ist und weshalb der Hauptbahnhof genau der richtige Ort für ein Tangofestival ist.

+++++ Das Interview habe ich 2019 geführt und im Februar 2020 mit einer Info zum bevorstehenden Umzug ergänzt. Im Moment hat das Tangoloft-Team mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Unterstützt via Crowdfunding, wenn ihr könnt! +++++

Mona Isabelle Schröter im Hauptbahnhof Berlin
Einmal im Jahr verwandelt Mona Isabell Schröter den Hauptbahnhof in ein Schaufenster für den zeitgenössischen Tango. Foto: Saskia Uppenkamp

Wann hast du den Tango entdeckt?

Das ist schon fast 20 Jahre her. Freunde haben mich zu einer Milonga im Urquiza mitgenommen und ich war verzaubert. Irgendwann besuchte ich zum ersten Mal das Tangoloft. Das war damals ein ganz kleiner Raum im Wedding. Da habe ich mich verliebt.

In wen oder was?

In den zeitgenössischen Tango, den Henning (Klose) damals im Loft gespielt hat. Aber auch in die Atmosphäre. Mir hat das Beisammensein gefallen. Dass man tanzen, sich anders als in einem normalen Club aber auch entspannt unterhalten konnte. Und in Henning habe ich mich auch verliebt – wir waren sieben Jahre lang ein Paar.

Mona Isabelle Schröter:

  • Geboren in Berlin
  • Studierte Modedesignerin
  • Seit Ende der Neunzigerjahre verliebt in zeitgenössischen Tango
  • DJ seit 2004
  • Geschäftsführerin des Tangolofts
  • Künstlerische Leiterin des Contemporary Tango Festivals

Inzwischen führst du das Tangoloft. Hast du dich ganz bewusst für den Tango als Berufsfeld entschieden?

Das hat sich so ergeben. Ich war einfach immer im Loft und habe dem Ort schnell meinen Stempel aufgedrückt. Die Säule könnte man doch rot streichen, oder? Würde der Flügel an der anderen Seite nicht besser aussehen? Und wir brauchen unbedingt Blumen! Henning hat mich gewähren lassen. Noch immer macht es mir große Freude, eine schöne Atmosphäre zu schaffen, in der andere abschalten und ohne Druck tanzen können. Ich wollte immer Gastgeberin sein.

Das wird dir gerade nicht leicht gemacht. Euer Mietvertrag in der Gerichtstraße läuft aus. Wie sieht die Situation denn jetzt, im Februar 2020, aus?

Wir sind immer noch auf der Suche nach neuen Räumen und freuen uns über jeden Hinweis! Spätestens im Sommer müssen wir ausziehen. Ich vertraue auf die Kraft des Universums, dass wir gemeinsam eine neue Location finden werden. Schließlich ist das Loft 2010 schon einmal unfreiwillig umgezogen und danach umso schöner wiederauferstanden. 

Ich drücke die Daumen! Einen solchen Ort für zeitgenössischen Tango gibt es in keiner anderen Stadt – sind die Berliner besonders offen für modernen Tango?

Das Besondere in Berlin ist die Vielfalt der Musikstile und der Milongas. Aber es stimmt: Eine so große Veranstaltungsfläche für zeitgenössischen Tango und Non-Tango wie das Tangoloft gibt es in keiner anderen Stadt. Auch für neue Formate sind die Berliner schnell zu begeistern. Die Silent Milongas zum Beispiel, bei denen den ganzen Abend nicht gesprochen wird, kommen super an.

Inzwischen warst du als DJ schon mehrmals in Buenos Aires. Wie reagieren die Argentinier auf eine Deutsche, die modernen Tango auflegt?

Die Szene für zeitgenössischen Tango wächst auch dort. Es gibt immer mehr Milongas, die offen für neue Einflüsse sind. Ich bekomme sehr positives Feedback. Gerade Frauen finden es super, einen weiblichen DJ zu erleben. Wir sind dort noch in der Minderheit.

Mit dem Contemporary Tango Festival im Hauptbahnhof engagierst du dich auch in Berlin stark für den zeitgenössischen Tango. Was ist dir bei der Zusammenstellung des Programms besonders wichtig?

Andreas Rocholl und ich ticken als künstlerische Leiter da sehr ähnlich: Uns geht es nicht darum, internationale Stars zu präsentieren, sondern darum, eher unbekannten Künstlern eine Bühne zu geben, die sich intensiv mit dem Tango auseinandersetzen. Wir wollen alle möglichen Farben des Tangos zeigen und neue Querverbindungen schaffen, etwa zwischen Tango und Kampfsport. Und wir wollen die Berliner Szene stärken, zum Beispiel neue Schüler für einheimische Lehrer gewinnen.

Bahnhöfe sind Durchgangsstationen. Die Menschen dort sind meist gestresst. Wie passt das zum Tango?

Es stimmt, der Hauptbahnhof ist nach dem Alex der am zweitstärksten frequentierte Ort der Stadt. Hektik, quietschende Züge und Lautsprecherdurchsagen stehen in besonders starkem Kontrast zur intimen Umarmung des Tangos. Aber genau das begeistert mich immer wieder! Und viele andere auch, ob Musiker und Tänzer oder Reisende mit Koffer in der Hand. Die bleiben überrascht stehen und schauen eine Weile zu. Diese Reaktionen zu erleben, ist einfach wunderbar!

Zur Crowdfunding-Kampagne

Weitere Interviews mit Berliner Tangoschaffenden gibt es hier und im Tango-Guide Berlin.